Die Straubinger Dirndlwelle, die gerade elf Tage Hochsaison erlebt, schwappt soeben nach Australien. Antonie Freundorfer, Dirndldesignerin und -schneiderin, hat gerade ihr erster Auftrag aus Down-under erreicht. Monique heißt ihre Kundin. Sie ist auf die niederbayerische Designerin via Internet gestoßen. Seither steht Antonie Freundorfers jüngste Kreation („türkisnobeltaft"), die sie für sich selber ersonnen und geschneidert hat, ganz oben auf deren Dirndl-Wunschzettel. Monique hat vor 15 Jahren ein Jahr in Buchenbach bei Freiburg im Schwarzwald verbracht. Vielleicht rührt daher ihr Faible.
Fertig sein soll das gute Stück - in der knöchellangen Version - bis spätestens 18. Oktober, wenn im australischen Outback das dortige Oktoberfest startet, bei dem laut Monique stilecht Erdinger Weißbier serviert wird. Der nächste Auftrag ist in Sicht, denn Moniques Schwester hat auch schon ein rotes Seidendirndl made in Straubing im Auge.
Antonie Freundorfer weiß von ihrer Kundin, dass sie 1, 65 Meter groß ist, ansonsten hat sie ihre Maße in inches präsent. Das schreckt sie nicht, denn im internet gebe es Tabellen, die per Knopfdruck umrechneten. Monique trägt demnach Größe 44. Tragen will sie ihr neues Kleid, das sie pünktlich per Post erreichen wird, am 18. Oktober zu einem australischen Oktoberfest. Es werde sogar im Fernsehen nach Deutschland live übertragen. Das Straubinger Dirndl werde also berühmt, meint Monique, die in Jundah ein kleines Hotel mit Farm betreibt.
Antonie Freundorfers erster Auslandsauftrag ist das nicht. Sie hat bereits nach Finnland, Dänemark und in die Schweiz geliefert. „Aber noch nie über den großen Teich." Bestellungen per Internet (
www.designer-dirndl.de) sind bei ihr mittlerweile die Regel. „Das sind mindestens 50 Prozent meines Umsatzes", erzählt sie. Jetzt wartet sie nur noch, dass mal ein Auftrag aus China eintrudelt, denn China hält sie für einen vielversprechenden Dirndl-Markt.
Zweieinhalb Tage werde sie an dem Kleid für Monique arbeiten, schätzt sie. Und gut zehn Tage werde es wohl per Luftpost auf der Reise sein. Sie wird es rechtzeitig losschicken, obwohl sie momentan selber - zumindest ein bisschen - das Volksfest genießt. Ihre Straubinger Kunden sind ja für die Saison 2010 komplett ausgestattet. Die ersten kommen wieder im Februar und das ist Antonie Freundorfer auch ganz recht so. Da habe man genügend Zeit. Aber leiden dächten die meisten mitten im Winter dann doch noch nicht ans nächste Volksfest.
Sie selber hat übrigens nur zwei Dirndl. Erstens, sagt sie, komme sie für sich selbst kaum zum Nähen, und außerdem verkaufe sie ihre Eigen-Kreationen nach ihrer ersten Saison gleich wieder mit Second-Hand-Rabatt weiter. "Denn im nächsten Jahr oder bei der nächsten Gelegenheit nähe ich mir ein trendgerechtes Neues"
Lesen Sie hier den veröffentlichen Zeitungsartikel aus dem Straubinger Tagblatt